Die indigene Sängerin Raye Zaragoza wurde bekannt durch ihren Protestsong „In the River“, der im Handumdrehen zu einer Hymne des Widerstands von Standing Rock avancierte. Für ihre Arbeit erhielt sie den Honesty Oscar for Best Activist Anthem. Raye spielte und sang für die Aktivisten in Standing Rock und reist seither mit ihrer musikalischen Botschaft durch Amerika und Europa. Kurz vor der Veröffentlichung ihres Debut-Albums „Fight for You“ kam sie auf Tour nach Europa, und damit auch nach Zürich und Konstanz. Elena Hauter hat die Musikerin begleitet und berichtet von ihren Eindrücken:

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Mein Name ist Elena Hauter, ich bin 19 Jahre alt und Schülerin an der Freien Waldorfschule in Überlingen am Bodensee. Gerne möchte ich Ihnen über die Künstlerin Raye Zaragoza, ihre Arbeit und unsere gemeinsame Zeit berichten. Raye ist 24 Jahre alt und gehört zum Stamm der Pima/Akimel O‘odham. Sie hat mexikanische und taiwanesische Wurzeln und wuchs in New York City auf. Seit ihrem 14. Lebensjahr ist sie auf einer Reise durch die Welt, um ihre Musik mit den Menschen zu teilen. Sie beschreibt sich selbst als ,,Singer Songwriter und Peacemaker“.

Ich durfte Raye eine Woche bei ihrer Tour in Deutschland, der Schweiz und in Frankreich begleiten. Kennengelernt habe ich sie im Rahmen meiner Projektarbeit, die sich über ein Jahr erstreckte und Teil des Waldorfabschlusses ist. Ich hatte mich dazu entschieden eine Dokumentation über indigene Künstler zu machen.

Der Grund war einfach: Ich hatte in meiner gesamten Schulzeit nichts über indigene Menschen gehört. Doch mit meinen Eltern war ich regelmäßig beim INDIANER INUIT: DAS NORDAMERIKA FILMFESTIVAL in Stuttgart involviert; so bin ich schon immer wieder im Kontakt mit Indigenen gewesen. Der Gründer des Festivals, Gunter Lange, war mein Mentor durch das Projektjahr hinweg und gab mir die Möglichkeit, die Gäste des Filmfestivals 2016 zu interviewen.

Mein Ziel war Einblicke in die Gegenwart von indigenen Menschen in Nordamerika zu geben und von deren Lebensansichten, Problemen, aber auch ihrer starken Hoffnung für die Zukunft zu berichten. Die Hoffnung inspirierte mich auch zu meinem Filmtitel: „In Future We Believe – Indigenous Artists Now“.

Während ich an meiner Doku arbeitete, hat sich in den USA eine sehr zentrale Protestbewegung entwickelt, der Widerstand gegen die Dakota Access Pipeline (DAPL) in Nord-Dakota. Ich suchte nach Wegen, dieses wichtige Thema mit in meine Doku aufzunehmen. Durch Gunter Lange wurde ich auf Raye Zaragozas Musikvideo „In The River“ aufmerksam, einen Protestsong, welchen sie in Solidarität mit den Standing Rock Sioux geschrieben hat.

In dem Musikvideo ist nur sie mit ihrer Gitarre zu sehen. Hier bemerkte ich zum ersten Mal – und diese Beobachtung sollte sich während der Tour noch oft wiederholen – was charakteristisch für Raye ist: dass sie keine Band, große Bühnenshow oder Sonstiges benötigt, um die Menschen mit ihrer Musik zu erreichen und zu berühren.

Nachdem ich mir das Video angeschaut hatte, habe ich sie sofort kontaktiert und durfte ihren Song auch mit in meine Doku aufnehmen. So kam unser Kontakt zustande. Schließlich hat Gunter Lange sie zum nächsten Filmfestival 2018 und auch schon vorher, im Rahmen ihrer Sommer Tournee 2017, nach Deutschland eingeladen.

Ich freute mich natürlich sehr darüber, Raye zu treffen und habe sofort zugestimmt, als ich gefragt wurde, ob ich sie nicht begleiten wollte. Nachdem ich sie kennengelernt hatte und das erste Mal live im Café Mondial in Konstanz hörte, spürte ich, wie stark die Wahrhaftigkeit ihrer Stimme, die Melodien und ihre Texte die Menschen ansprechen. Ihre Texte handeln vom Widerstand, vom Zusammenstehen für eine gemeinsame Sache, einem gemeinsamen Ziel. Dieses besteht darin, sicherzustellen, dass die Zukunft für die nächsten Generationen erhalten bleibt und noch lebenswert ist, sich somit gegen die Ausbeutung der Erde und gegen die anhaltende Unterdrückung der Indigenen in den USA und weltweit einsetzt.

„Wir kämpfen für unser Recht, die Zukunft hell zu halten und diejenigen zu beschützen, die wir lieben“ und weiter: „Wenn du die Erde nicht mit Respekt behandelst, was bleibt dann noch für deine Kinder und deren Zuhause übrig?“, heißt es in ihrem Song „In The River“.

Raye ist Teil einer immer größer werdenden Bewegung von indigenen und nicht-indigenen Menschen für eine lebenswerte Zukunft und setzt ihre Musik dafür ein, Aufmerksamkeit zu schaffen. Lieder wie „American Dream“ handeln von den Boarding Schools, von Entwurzelung und von der Angst, in einer Welt zu leben, die geprägt ist von Kriegen und Problemen. „Hass kann nicht das Gesicht des amerikanischen Traums sein“, singt sie im Refrain.

Bei allen Konzerten schaffte Raye es innerhalb kürzester Zeit, das Publikum für sich zu begeistern. Es herrschte bei allen ihren Konzerten eine sehr friedliche und offene Stimmung. Die Zeit mit Raye war unglaublich bereichernd für mich. Es freute mich sehr zu sehen, wie ihre Arbeit überall auf Anerkennung und großes Interesse traf. Durch Rayes aufrichtige, warmherzige und offene Art, ihr Engagement und ihre Kraft, für wichtige Dinge einzustehen, überträgt sich ihre Hoffnung auch auf andere Menschen.

„Ich weiß, dass wir einen langen Weg vor uns haben, aber ich glaube daran, dass Veränderung eine Entscheidung ist und dass sie mit mir anfangen kann“ singt sie in „American Dream“. Elena Hauter

aus: COYOTE Nr. 112 / Frühjahr 2017

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Raye Zaragoza und Elena Hauter beim Open See Konzert am 4.Juni 2017 im Stadtgarten in Konstanz.
Foto: Norbert Mallik

In The River (Lyrics): A Protest Song by Raye Zaragoza

There's got to be some hope
There's got to be some hope
There's got to be some way
For you to send your dogs away
And to leave the land alone

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It's got to be a crime
Somewhere in your heart you'll find
We're fighting for the right to keep the future bright
and protect the ones we love

In the river is our sisters and our brother,
We're camping out for each other
We're stronger when we band together
And we're standing up.for the water
Don't poison the future away

You've go to have a soul
Mother earth protects us all
If you treat her with disrespect
Then wheat message have you left
For your children and their home?

How can you take take take and not appreciate the soil?
Don't let this black snake contaminate our drinking water
This is for our sons and daughters

In the river is our sisters and our brothers
We are camping out for each other
We are stronger when we band together
And we’re standing up for the water
Don’t poison the future away 

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Raye Zaragoza on Tour 2017

Raye konzertierte im Mai-Juni 2017 auf ihrer Europa-Tour in folgenden Städten:

  • Rheinfelden, CH 
  • Konstanz, D
  • Zürich, CH
  • Überlingen, D
  • Strasbourg, France
  • Paris, France 
  • Livorno, Italy
  • Almelo, NL
  • Amsterdam, NL
  • Enschede, NL
  • Lutten, NL
  • Almelo, NL